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Ausbildung

Bio als Beruf

Die Ausbildung in der ökologischen Landwirtschaft.

In vielen Teilen der Gesellschaft hat der Beruf des Landwirts noch immer ein eher negatives Ansehen. Lange und harte Arbeitszeiten, keine bis wenige freie Wochenenden, die Wertschätzung für die produzierten Produkte durch den Endverbraucher geht gen Null. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der sogenannte Fachkräftemangel auch in der Landwirtschaft zu spüren ist. Gut ausgebildetes und motiviertes Personal ist rar und wird von vielen Betrieben umworben. Die Bio-Branche hat sich mit den Jahren weiterentwickelt und der Bio-Landwirt übernimmt immer mehr Aufgaben eines ökologischen Dienstleisters. Von der Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel, ermöglicht er dazu auch Familien einen angenehmen Urlaub oder erzeugt für die Gesellschaft regenerative Energie. Er ist nicht einfach nur noch Landwirt, sondern führt ein multifunktionales Unternehmen, mit immer weiterreichenden Anforderungen, die es wieder für junge Menschen attraktiver macht, in die Landwirtschaft einzusteigen.

Wie auch das Berufsbild haben sich auch die Anforderungen an die Auszubildenden über die Jahre weiterentwickelt. Die Bio-Branche benötigt, genauso wie ihre Kollegen aus anderen Bereichen der Landwirtschaft, gut ausgebildete und motivierte junge Leute, die Freude und Spaß an der Bewirtschaftung des Landes haben. Gerade in der ökologischen Landwirtschaft braucht man eigenständige und selbstständige Menschen, bei denen auch mal der Pioniergeist geweckt werden kann und die offen für neue Wege bei der Bewirtschaftung der Höfe sind.

Vielen Bio- und vor allem Demeter-Bauern reicht die Ausbildung in einer landwirtschaftlichen Berufsschule nicht weit genug. Sie wollen und fordern mehr von der Ausbildung und ihren Azubis. Um eine Berufsausbildung in der ökologischen Landwirtschaft zu machen, gibt es viele mögliche Wege. Neben der klassischen Ausbildung an der Landwirtschaftsschule, in der man in einer Kombination von betrieblicher Bildung und Berufsschule zum Landwirt oder Landwirtin ausgebildet wird, kann man in der Regel anschließend ein weiteres Jahr an einer Fachschule, mit Schwerpunkt Ökolandbau, absolvieren. Hier kann man sich auf den Meistertitel vorbereiten oder sich in Kursen einfach weiterbilden. Eine komplette Ausrichtung nach ökologischen Standards erfolgt jedoch nicht, da hier noch immer hauptsächlich die Lehren der konventionellen Landwirtschaft vermittelt werden. Die Politik hat dieses Problem mittlerweile erkannt und plant im Rahmen der Kultusministerkonferenz einen bundesweiten einheitlichen Rahmenlehrplan zu verabschieden, bei dem das Fach „ökologischer Landbau“ verpflichtend an den Fachschulen ist.

Auch auf Fachhochschul-  und Uniniveau sind Nachhaltigkeit, ökologischer Anbau und naturverträgliches Wirtschaften längst angekommen und bei vielen Studierenden attraktive Studienfächer. Viele Hochschulen haben auf den Bedarf der Branche nach qualifiziertem Fachpersonal reagiert und vermitteln in speziellen Öko-Studiengängen gezieltes Branchenwissen. Auf praxisnahe Ausbildung wird auch an den Hochschulen wert gelegt. Neben der Möglichkeit von Dualen Studiengängen, an denen man neben dem Hochschulstudium auch die Ausbildung zum Landwirt machen kann, gibt es agrarwissenschaftliche Bachelorstudiengänge der ökologischen Landwirtschaft, in der umfassendes Grundwissen zur ökologischen Produktion von Nahrungsmitteln und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen vermittelt wird und die mehrmonatige Praktika ihrer Studierenden fordern.

Einen noch viel weitergehenden Schritt haben Ende der 1970er/80er Jahre Demeter-Bauern und –Gärtner beschritten. 1983 gründeten sie in Norddeutschland die Freie Ausbildung für biologisch-dynamischen Landbau, eine Ausbildung nach Schweizer Vorbild.

Der Grund für diesen eigenen Weg war die Feststellung, dass der landwirtschaftliche und gärtnerische Nachwuchs (Lehrlinge und Gesellen) nur unzureichend auf die Anforderungen vorbereiten waren, die auf den Höfen an sie gestellt wurden. Einerseits ging und geht es darum, grundlegende Fähigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln, die für den ökologischen Landbau nötig sind. Darüber hinaus ist es äußerst entscheidend, zu erkennen, mit welchen Problematiken die Bauern im Praktischen zu tun haben. Während der vier jährigen Ausbildungszeit, die auf mindestens zwei verschiedenen Höfen absolviert wird, geht es um eine möglichst praxisnahe Ausbildung, bei der ebenfalls theoretische Grund- und Fachkenntnisse der Natur- und Geisteswissenschaften einbezogen werden.

Neben Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die auf einem Bio- oder Demeter-Hof aufgewachsen sind, interessieren sich auch immer mehr Quereinsteiger für die freie Ausbildung. Es ist nicht selten, dass gerade diese Auszubildenden bereits zuvor einen anderen Karriereweg erfolgreich bestritten haben und die unterschiedlichsten Lebensläufe vorweisen können. Viele Berufstätige gelangen irgendwann mal an einen Punkt, an dem sie sich fragen, ob der gewählte Lebensentwurf der ist, mit dem man auch in der Zukunft glücklich wird. Einige fassen den Mut und ändern etwas in ihrem Leben und nicht selten entscheiden sich diese Personen für einen Neuanfang, bei dem Mensch und Natur im Einklang stehen. Sie finden in der freien Ausbildung eine neue Aufgabe und sind nicht selten die engagiertesten und erfolgreichsten ihres Ausbildungsjahrganges.

Wer sich generell für Ausbildungswege in der ökologischen Landwirtschaft interessiert, kann sich direkt an die Höfe wenden, die auch weiterhin händeringend Nachwuchs suchen, oder sich über die Portale der verschiedenen Institutionen und Landwirtschaftskammern informieren.