Norddeutsche
Bio-Regionalität wird sichtbar
und erlebbar
Wissen,
wo es herkommt!
Newsletter abonnieren

Stadt, Land, Flucht

Hat das Landleben eine Chance?

Stadt, Land, Flucht – hat das Landleben eine Chance?

Zahlreiche Artikel der letzten Jahre haben die Bevölkerungsbewegungen in Deutschland dokumentiert, kommentiert und Visionen erstellt. In einigen heißt es, dass die Urbanisierung und somit der starke Zuzug in die Städte nicht mehr aufzuhalten ist, andere wiederum schreiben davon, dass sich immer mehr Paare und Familien dazu entschließen, der Stadt den Rücken zu kehren und die Familienplanung in die ländliche Idylle zu verlegen. Aber was stimmt denn nun und welche Konsequenzen haben die eine, aber auch die andere Bewegung für unser Land, für unsere Region und für uns Menschen allgemein?

Lebensentwürfe gibt es wie Sand am Meer. Doch letztendlich dreht sich alles um das liebe Geld und die Möglichkeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Wer auf dem Land lebt kann dort seine schulische Ausbildung beenden, muss sich doch dann, meist auch nur widerwillig, auf den Weg in die Ballungsgebiete machen, um entweder ein Studium oder eine Ausbildung zu beginnen bzw. in seinem Beruf weiter zu kommen. Sind die Jungen einmal weg, ist es oft sehr schwer sie wieder zurück zu bekommen.

Wer bleibt dann zurück und welche Perspektiven bleiben den Menschen vor Ort? Braucht man wirklich 10 Theater, 20 Restaurants und 5 Multiplex-Kinos in direkter Nachbarschaft, um glücklich zu sein? Was ist mit Lebensqualität, weniger Stress und Freiheit für die Kinder beim Spielen? Von den Wohnraumkosten in den Städten mal ganz abgesehen. Die Ansprüche der Stadtbevölkerung steigen und steigen. Am liebsten hätte man von beiden Welten das Beste, und das bitte in direkter Umgebung. Aber wohin am Wochenende, wenn es vielleicht bald keine Bauernhöfe mehr gibt, wo man mit den Kleinen Urlaub machen kann oder einfach nur einen schönen Ausflug zum Tiere streicheln plant?

Ist man mobil, so ist auch das Leben auf dem Land kein Problem. Gehört man aktuell jedoch eher zu der älteren Generation, die zum Teil noch nicht mal einen Führerschein hat, dann wird es schon schwieriger und von der Landromantik ist nicht mehr viel übrig. Kurze Wege zum Arzt oder zur nächsten Einkaufsstätte werden weniger. Die Infrastruktur wird eher schlechter und abgebaut, als dass sie in den ländlichen Regionen bewahrt oder sogar aufgebaut wird. Für wen auch, fragen sich viele Politiker, das Landleben kostet dem Staat generell einfach nur Geld. Strukturen aufrechtzuerhalten, die von nur einem Bruchteil der Bevölkerung genutzt werden, ist teuer und die Steuergelder können woanders besser verbraucht werden. Aber stimmt das denn auch? Was passiert nun wirklich, wenn das Land ausstirbt und sich alles nur in den Großräumen der Städte entwickelt?

Gehen uns nicht unsere Kultur, unsere Werte und ein Großteil unserer Geschichte verloren? 1.000 Jahre alte Dörfer und Kleinstädte, die schon zig Kriege überlebt haben sollen jetzt verschwinden, weil ein paar Generationen die Bequemlichkeiten bevorzugen oder der Staat nicht bereit ist hier zu investieren, weil ein paar Quotienten nicht stimmen?

Der Großteil unserer Lebensmittel wird bereits von der Agrarindustrie hergestellt. Die dürften sich über das Landsterben freuen, denn dann gibt es immer mehr Flächen für sie, denn gewachsene Dorfstrukturen brauchen sie nicht und können platt gemacht werden. Aber wir brauchen die Dorfstrukturen und Höfe, die mit ihnen verwurzelt sind. Nachhaltige Bewirtschaftung, egal ob Bio oder Konventionell, findet fast ausschließlich auf den Höfen statt, die noch in dörflichen Strukturen eingebettet sind, dafür sorgt zum Teil auch die Dorfbevölkerung selbst, denn kein Dorfbewohner möchte sich sein Umfeld kaputt machen lassen und kein Bauer möchte ernsthaft einen Kleinkrieg mit seinen Nachbarn beginnen, denn man lebt in einer Gemeinschaft und ist voneinander abhängig. Und auch diese Höfe sind es, die die Städter an den Wochenenden oder in den Ferien gerne aufnehmen und an ihrem Leben teilhaben lassen. Oder reicht es Kühe, Schweine und Hühner demnächst ausschließlich in den städtischen Zoos und Tierparks zu sehen und zu streicheln?

Aber wie kann es in Zukunft denn nun mit dem Landleben weitergehen? Gibt es eine Zukunft und wenn ja, welche?

Es benötigt Anstrengungen von vielen Seiten. Die Politik muss das Landleben nicht nur als Verlustgeschäft sehen und langfristige Investitionen in Infrastrukturen, mit den emotionalen Werten des Landes verbinden bzw. aufwiegen. Investitionen, die Geschichte erhält und Kulturleistungen fördert, die für unsere Gesellschaft überlebenswichtig sind, um unsere Identität zu bewahren, sind ausschlaggebend für den Erhalt des ländlichen Lebens. Die verbliebende Landbevölkerung muss offen für vieles Neues sein. Nicht nur, dass sich Wege verändern, auch werden neue Nachbarn kommen, die vielleicht auch ihre eigenen Kulturen und Eigenarten mitbringen. Aber das war auch früher zu Napoleons Zeiten so und wird sich in der Geschichte auch immer wieder wiederholen. Die nächsten Generationen, die sich vielleicht wieder auf den Weg aufs Land machen oder auch einfach dort bleiben, sind es gewohnt mobil zu sein, sie sind gewohnt die digitalen Medien spielerisch zu nutzen und flexible zu sein. Unternehmen und große Firmen ändern ihre Arbeitsweisen schrittweise, so dass flexiblere Arbeitsplätze entstehen, die eine neue Art von Arbeit ermöglicht. Der technologische Fortschritt wird sich auch irgendwann auf dem Land ausbreiten… vielleicht oder doch ganz bestimmt?

Können neue Ideen und Technologien das Landleben unserer Kindheit retten? Oder müssen wir uns einfach auf eine neue Art des Landlebens einstellen? Und wenn ja, wie wird die aussehen?